Kein Geld für Jugendtheater!?

Dokumentation eines Leserbriefes, der in der TAZ Bremen veröffentlicht wurde und mit dem seinerzeit gegen die angedrohte Schließung des Schnürschuhtheaters in der Bremer Neustadt protestiert wurde. Er steht hier als ein Beispiel und auch weil im Zuge seiner Abfassung der Slogan Bremen mies erleben "erfunden" wurde.

Bremen, d. 14. Dez. 2003

Bedeutet „bremen neu erleben“ jetzt auch:
Kein Geld für Jugendtheater!?

Hiermit protestiere ich energisch gegen die geplante Schließung des Schnürschuh-Theaters. Das Schnürschuh-Theater ist das einzige reine Jugendtheater in Bremen und seit 27 Jahren erfolgreich aktiv.
Neben dem Gastspielbereich werden 13.000 Jugendliche jährlich erreicht. Wie ich mich öfters mit eigenen Augen anhand der morgendlich vorfahrenden Busse überzeugen konnte, kommen die Klassen aus dem gesamten norddeutschen Raum um Stücke wie:
Das Tagebuch der Anne Frank, Geheime Freunde, Und morgen die ganze Welt, Creeps, Wunderzeiten u. a. zu sehen.
Sie sind bereit, Geld und Zeit hierfür aufzuwenden. Viele Bremer Schüler haben durch das Schnürschuh-Theater ihre ersten Theaterkontakte erlebt!
Vom Kultursenator werden nur 1 Prozent Einsparungen verlangt. Es ist mir völlig unbegreifbar, warum erfolgreiche, sauber finanzierte Theater deswegen schließen sollen. Eine Diskussion über etwaige Einsparmöglichkeiten fand mit dem Theater nie statt, was ein schlechtes Licht auf die vielerorts von Politkern gegenüber dem Bürger eingeforderte Dialogbereitschaft wirft. Sie gilt wohl nur einseitig.
Neben 5 festen Stellen, einer BSHG-Stelle u. 10 Honorarschauspielern beschäftigt das Schnürschuh-Theater noch 2 Auszubildende im Veranstaltungsbereich!
Ich bin empört über Ihre Pläne. Eine Stärkung des Kinder- u. Jugendtheaters muss Ziel Bremer Kulturpolitik sein!
Das Konzept einer Kulturhauptstadt darf nicht zu Lasten der in den Stadtteilen mit den Jahren gewachsenen und mit viel Bürgerengagement (die in Sonntagsreden überall gerne gefordert wird) auf die Beine gestellten Kultureinrichtungen gehen.
Es muss endlich Schluß sein mit einer absurd-zynischen Sanierungspolitik auf Kosten derjenigen, die sich am wenigsten wehren, in diesem Falle von Kindern.
Ich werde die weitere Entwicklung mit Interesse verfolgen und wo immer ich auf Menschen hier in meinem Stadtteil treffe, das Thema anschneiden.
Mit freundlichen Grüßen und in freudiger Erwartung einer Antwort

B. H.